Wie kommt man auf den Preis für ein Brettspiel?

Die gängige Formel für die Preiskalkulation lautet: MSRP = Landed Cost x 5.
Der „MSRP“ ist der UVP, also der empfohlene Verkaufspreis, den man üblicherweise im Geschäft findet, und „Landed Cost“ bezieht sich auf die Herstellungskosten, einschließlich Transport zum Warenhaus und Zoll.

Ein Beispiel:
Wenn wir von reinen Herstellungskosten von 10 € ausgehen (der Preis hängt meist stark von der Größe der Produktionsauflage ab), wird hier noch der Transport von der Fabrik zu dir oder deinem Warenhaus dazugerechnet. Üblicherweise kommt das Brettspiel eingeschweißt und auf Paletten an. Je nachdem, wo man produziert, kann dies etwas günstiger oder aber teurer sein. Hier kann auch noch Zoll anfallen. Für dieses Beispiel gehen wir von etwa 2 € pro Spiel aus.
(Zu Versand und Logistik werde ich einen eigenen Blog-Eintrag machen.)
Nun hätten wir eine Landed Cost von 12 €.
Unserer Rechnung nach müssten wir dafür einen MSRP von 60 € verlangen. Das klingt nach einer schönen Gewinnsumme. Allerdings wäre das zu einfach.

Verkauft man das Spiel direkt selbst, ist die Gewinnspanne tatsächlich gut, man würde nur noch die Mehrwertsteuer (abhängig vom Land) zahlen.
Man möchte allerdings, dass das Brettspiel in Geschäften steht, und hier kommen Distributoren und Händler ins Spiel. Während Händler vielleicht 45–50 % des MSRPs zahlen, zahlen Distributoren normalerweise nur 40 % des MSRPs.
Somit bleiben von den 60 € bei Distributoren (normalerweise sollten das die größten Abnehmer sein) nur noch 24 € und bei den Händlern 27–30 €.
Auch hier sind noch Steuern zu zahlen und schon ist der Gewinn stark geschrumpft.

In der Landed Cost stecken allerdings nur die Produktionskosten der Druckerei. Kosten für Illustrationen, Werbung, zusätzliche Ausgaben und natürlich für den Arbeitsaufwand des Designers usw. sind dabei noch nicht eingerechnet. Um dann also eine 2. Auflage eines Spiels produzieren zu können, müssen von der ersten Auflage erst mal einige Spiele verkauft werden.

Wenn du noch Fragen hast, schreib mir einfach oder lass einen Kommentar hier. Solltest du in dem Gebiet spezielle Erfahrungen gemacht haben, bin ich natürlich auch sehr interessiert daran.

Ich habe hier noch die englischen Begriffe MSRP und Landed Cost verwendet, weil diese Begriffe selbst auf deutschen Seiten oft genutzt werden und Informationen dazu dadurch leichter zu finden sind.

Was hat sich seit dem ersten Kickstarter getan?
Nach den Gesprächen mit Publishern kam für mich eine neue Frage auf: Für welche Auflage berechne ich meinen MSRP?

Es macht einen großen Unterschied, ob ich 1000, 2000 oder 3000 Stück produziere. Die Landed Cost und der daraus resultierende MSRP würden dadurch sehr unterschiedlich aussehen. Vermutlich ist es am besten, die niedrigst mögliche Auflage für die Berechnung heranzuziehen. Zum einen reduziert diese Praxis das Risiko für den Kickstarter, zum anderen ist es für Publisher noch möglich, bessere Preisstaffelungen für höhere Verkaufsmengen anzubieten. Es gilt also, gut zu kalkulieren, kommt man auf einen zu hohen MSRP, wird das Spiel außerdem unattraktiv für Käufer.



Ein Kommentar zu “Wie kommt man auf den Preis für ein Brettspiel?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: