Testen und Feedback

Wenn man ein Spiel designed, ist viel testen nötig und mit dem Testen kommt viel Feedback. Am schönsten ist natürlich das Feedback, von den Leuten, denen es gut gefallen hat und bei denen das Spiel so richtig gut ankam. Superhilfreich sind konstruktive Vorschläge, die so manchen Makel des Spiels mit kleinen Veränderungen verbessern können. Dann gibt es so große Vorschläge, durch die man im Grunde einfach ein anderes Spiel hätte. Mittlerweile könnte ich durch solche Vorschläge vermutlich 5-10 komplett unterschiedliche Spiele machen. Und dann gibt es leider auch hin und wieder mal jemanden, der sehr unzufrieden mit dem Spiel war. So etwas kann dann auch sehr frustrierend sein. Dazu heute mehr.

Ich habe mittlerweile schon wirklich viel getestet, viel mit Bekannten, aber auch viel mit Fremden. Vor Kurzem erhielt ich ein Feedback von einem unzufriedenen Tester, indem mein Spiel mit „Mensch ärgere Dich nicht“ verglichen wurde. Tatsächlich hatte ich diesen Vergleich schon einmal bekommen und ich verstand einfach nicht woher dieser Vergleich kam. Manchen fällt es nunmal nicht so einfach für einen Tester ein Gefühl zu beschreiben das beim Spielen aufkam. Dann beginne ich darüber zu Grübeln woher dieses Feedback kommt. Ich möchte nicht das man bei meinem Spiel an „Mensch ärgere Dich nicht“ denkt.

Gut, mein Spiel ist auch ein Rennen und man kann andere Figuren schlagen. Davon abgesehen haben die beiden Spiele keine Gemeinsamkeiten. Das eine ist ein Glückspiel und das andere ein Strategiespiel, wo man praktisch nicht würfeln muss.

Woher kommt also dieser Kommentar in dem Feedback? Es wurde an irgendeiner Stelle auch mal die chaotische Natur des Spiels erwähnt. Und auf einmal habe ich den Vergleich verstanden. Nach meiner Definition ist ein chaotisches Spiel ein Spiel, bei dem viel passiert in der Zeit, in der man nicht am Zug ist und man oft schwer abschätzen kann, was passieren wird. Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass sich so etwas für manche dann anfühlt wie ein Glücksspiel, auch wenn es keines ist. Tatsächlich kann man sich in Magical Friends überlegen, wie man mit unterschiedlichen Interaktionen möglichst sicher zum Ziel kommt, genauso wie man versuchen kann, mit Tricks den Gegner doch zu schlagen. Es gibt nur sehr viele Möglichkeiten und dadurch wird es schwierig die Spielzüge der Gegner vorauszusehen. In den meisten Tests waren es genau diese Interaktionen, die richtig erstaunliche Spielzüge hervorbrachten.

Diese Formulierung, also das Chaos, das sich anfühlen kann, wie die Willkür bei einem Glückspiel, wurde mir auch bestätigt und auf einmal war das Feedback (und auch jenes, dass ich vor einiger Zeit bekommen habe), viel leichter zu nehmen. Das Chaos ist, wie bei vielen tollen Spielen, ein zentraler Teil des Spiels. Bei manchen kommt es tatsächlich durch Würfel oder Karten zustande, bei anderen sind es vor allem die vielen Optionen der Gegenspieler, die es chaotisch machen. Wie zum Beispiel bei Spielen wie Robo Rally, Smallworld oder Millennium Blades.

Natürlich wird das Spiel besser, wenn das Maß an Chaos gut passt, aber dafür testet man ja und dem Großteil der Tester gefällt genau das am Spiel. Und somit liegt die Frustration dieses Testers nicht unbedingt bei einem Makel des Spiels, sondern der Stil des Spiels trifft einfach nur nicht den Geschmack des Spielers und das passt!

Üblicherweise spielt man Spiele, über die man sich vorher gut informieren kann, oder man wird von Freunden dazu eingeladen, die wissen was zu einem passt. Beim Testen eines Spiels, das es noch nicht auf dem Markt gibt, wird man aber ins kalte Wasser geworfen und es kann leicht passieren, das ein Spiel nicht den Geschmack des Testers trifft. Das ist zwar schade, aber das passiert. Gerade als Designer darf man sich das nicht zu sehr zu Herzen nehmen.

Im Brettspielhobbie gibt es eine riesige Anzahl an Spielen. Immer wieder sieht man so 3×3 Challenges, wo Spieler Bilder ihrer 9 liebsten Spiele zeigen. Ich habe schon Unmengen solcher Collagen gesehen und es mir noch nie eine untergekommen, bei der ich mir dachte, diese Spiele gehören alle zu meinen Lieblingsspielen. Sogar wenn ich den Eindruck hatte, dass jemand einen sehr ähnlichen Geschmack hat wie ich, waren es nie mehr als 5 Spiele die sich überschnitten. Das klingt im ersten Moment Schade, aber selbst bei Spielern, bei denen ich den Eindruck hatte, die haben einen ganz anderen Geschmack, habe ich auch immer 1-2 Spiele gefunden, die ich richtig gerne spiele. Gerade das ist das Wunderschöne an diesem Hobby. Wenn man sich mit Spielen auseinandersetzt, findet man für fast jede Gruppe ein Spiel, das allen gut gefällt und womit man eine schöne Zeit verbringen kann.

Gibt es eine Art von Spielen, ein Genre oder Mechaniken, die du gar nicht magst oder besonder gern hast? Lass mir einen Kommentar da.

2 Kommentare zu „Testen und Feedback

  1. Ich finde es total spannend wie gut du mit Kritik um gehst. Und richtig schön dass du nach dem Prozess Verständnis zeigst!

    Mich kann man mit deductions spielen jagen. Was ich fast schon schade finde, wenn ich bei among US lets plays sehe wie viel Spaß dir Leute haben. Ich hab dem Spiel eine Chance. Die mini games als crewmate fand ich noch recht amüsant. Aber irgendwann musste ich traitor sein. Auf den richtigen Moment für einen kill zu warten war auch noch recht spannend. Aber dann anschließend nicht dazu stehen zu können (ohne sofort das Spiel zu verlieren) fühlte sich zu falsch an. Lügen und betrügen geht mir gegen den Strich. Auch wenn es nur ein Spiel ist, und es (leider?) sogar praktisch wäre diese Fähigkeit zu üben.
    Eine andere Kategorie sind stichspiele. Ich kann gar nicht genau sagen warum, aber nicht ein einziges stichspiel hat mir jemals spas gemacht…. Bis das Coop-stichspiel the Crew raus kam. Das wiederum ist einfach nur der Hammer!
    Ansonsten bin ich nur aufgrund vom Zeitmangel wählerisch. Ich bevorzuge spiele die nicht ganz so lange dauern, damit jeder mal ne Chance hat zu gewinnen oder Coop Games wo man wenn dann gemeinsam verliert.

    PS: was für ein süßes Must-have Mini Mensch-Ärger-dich-nicht :3

    Gefällt 1 Person

    1. Es gibt echt einige super beliebte Spiele die bei mir einfach nicht funken. Ich kann zwar sehen warum sie so beliebt sind und in welchen Aspekten diese Spiele herausragend sind, dennoch reissen sie mich nicht mit.

      Die Crew ist wirklich toll obwohl es einfach nur einen Coop Modus in ganz normale Stichspiele einbringt. Wahnsinn was das aus einem Stichspiel macht. 🙂

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