Was ist eigentlich mit den Prototypen passiert?

In letzter Zeit bin ich häufig gefragt worden, wie ich denn an die Reviews für mein Brettspiel gekommen bin und wie und welche Reviewer ich dabei kontaktiert habe.
Das ist kein kleines Unterfangen und benötigt einiges an Zeit.

In früheren Beiträgen habe ich erwähnt, wie ich insgesamt zehn Prototypen handgefertigt habe. Alleine die Herstellung dieser Prototypen hat mich einen Monat (Vollzeit) Arbeit gekostet. Das hängt natürlich stark vom Umfang des Spiels ab und man kann die Fertigung selbstverständlich auch in Auftrag geben. Dabei muss man allerdings trotzdem einiges an Zeit einplanen, denn die Druckdaten müssen aufbereitet sein und auch diese Prototypen müssen hergestellt und verschickt werden. Das kann mitunter ebenfalls einen Monat dauern und kostet natürlich auch etwas mehr.

10 hübsche Prototypen

Im Zeitraum von 3,5 Monaten (Mitte Mai bis Anfang Oktober) erreichten diese Prototypen insgesamt 31 Personen und führten zu etwa 20 Reviews und einigen zusätzlichen Spieletests. Es wurden 8 Prototypen verschickt. Einen deutschen und einen englischen habe ich für Test/Promotion/Fotos/Videos zurückbehalten.
Versand und Reviews benötigen Zeit, und Corona macht es nicht unbedingt leichter für Reviewer, ausreichend Spieler an einem Tisch zu versammeln.
Ich würde sagen, pro Reviewer kann man etwa mit 3-6 Wochen Zeitaufwand für einen Prototyp rechnen.

Wie habe ich Reviewer kontaktiert? Erst mal kontaktiert man natürlich seine Lieblingsreviewer direkt. Üblicherweise haben sie auf ihren Kanälen Kontaktdaten angegeben. Allerdings machen nicht alle Reviewer auch Previews (zu Spielen, die noch nicht im Handel erhältlich sind). Weitere Reviewer findet man am schnellsten über Facebook-Gruppen, es gibt natürlich auch andere Kanäle, in denen das gut geht (Boardgamegeek, Reddit). Zum einen kann man Spieler fragen, welche Reviewer sie am liebsten haben, zum anderen direkt Reviewer ansprechen. Beispielsweise finden sich in der „Brettspielwiese“ sehr viele deutsche Spieler und Reviewer. In den englischen Gruppen: „The Boardgame Group“ und „Board Game Revolution“ findet ihr viele Spieler. Insbesondere in der „The Boardgame Group“ empfehle ich euch mit Collin Spanberger über dieses Thema zu sprechen. 🙂 In der Gruppe „Board Game Reviews and Media“ könnt ihr auch direkt nach interessierten Reviewern fragen.

Wichtig ist natürlich auch, dass das Spiel zum Kanal passt. Schon alleine deshalb, weil man Empfehlungen bekommt und der Reviewer selbst am Spiel interessiert ist. Deshalb sollte man sich mit dem jeweiligen Kanal vertraut machen, was natürlich auch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Ich habe auf den Kanälen üblicherweise nach Beiträgen zu Spielen gesucht, die für mich eine ähnliche Zielgruppe ansprechen, beispielsweise Small World.

Eine hohe Abonnentenzahl ist gut, allerdings sind die Aufrufe und Interaktionen mit den Videos direkt sehr relevant. Es gibt durchaus Kanäle mit vielen Abonnenten, deren Videos kaum aufgerufen werden. Das kann natürlich durch gekaufte Abonnenten kommen, es kann aber auch einfach sein, dass der YouTube-Account über längere Zeit inaktiv wird. Dadurch scheinen Beiträge auch kaum noch auf oder es gibt ein paar wenige richtig erfolgreiche Beiträge, die besonders viele Personen angelockt haben, die dem Kanal aber sonst nicht weiter folgen.

Wie ging es mit dem Versand? Der Versand in die USA und nach Großbritannien ist natürlich teuer, hat aber generell gut funktioniert. Die Reviewer haben ihre Zeiten fast alle gut eingehalten. Man muss natürlich beachten, dass es während Corona natürlich manchmal zu verständlichen Verzögerungen gekommen ist. Es gab nur 2 ärgerliche Vorfälle. Ein Reviewer hatte das Spiel 2,5 Monate und hat immer wieder um Aufschub gebeten. In dieser Zeit hatte er das Spiel nur einmal gespielt, bis ich dann den Prototypen ohne Review weiterschicken lies. Ein anderer Prototyp ist 3 Monate irgendwo am Postweg hängen geblieben (es gab auch eine Versandbestätigung). Abgesehen davon lief der Versand wirklich gut.

das Sortiersystem

Was man beim Versand noch beachten kann: Ein Prototyp, auch wenn er professionell hergestellt wurde, ist spätestens nach dem ersten Empfänger nicht mehr im Originalzustand. In meinem Spiel gibt es ein Sortiersystem für Standees und ich habe diese Spiele schon wirklich oft transportiert. Dabei wurden sie auf einem Wägelchen durch Berlin und Essen durchaus schon etwas durchgeschüttelt, aber nie sind Standees aus dem Sortiersystem gefallen. Beim x-ten Transport oder gar im Flugzeug scheint dieses Schütteln sehr extrem zu sein. Diese Erfahrung machte ich, als einer der Reviewer vergessen hatte, dass dies kein druckfrisches Exemplar direkt aus der Fabrik, sondern ein handgemachter Prototyp war, und er ein Unboxing-Video machte. Generell war das Video trotzdem sehr fein, man sollte so etwas aber vielleicht bedenken.

Hast du besonders gute Quellen für Reviewer? Gibt es jemanden, dem du besonders gerne folgst? Hinterlasse mir einen Kommentar, ich bin gespannt!

Ich habe auch wieder einen älteren Beitrag zum Thema MSRP berechnen etwas aktualisiert. Falls das Thema für dich relevant ist, schau vorbei. 🙂

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